In München herrschen Geltungssucht und Gleichgültigkeit


Keiner der am 22. Juli 2016 in München gewesen ist, wird jemals vergessen. Ein Leben lang werden wir uns daran erinnern, wo wir waren, mit wem wir waren und was wir an dem Tag gemacht haben. Solche Ereignisse haben für die meisten Menschen vor Ort eine weitaus mächtigere Bedeutung als für alle anderen. Es wäre nur wünschenswert, daraus zu lernen und die Dinge wahrzunehmen, die wir mit allen Mitteln und mithilfe der Medien im großen Umfang ignorieren.

Es sind die Lieblosigkeit, die Ignoranz und das fehlende Mitgefühl der Menschen zueinander, die als Ursache für alle sinnlosen, aber komplexen Kaskaden von Gewalt, Rache und Hass begriffen werden müssen. Alles andere ist sinnlos, reine Zeitverschwendung und wird uns niemals helfen die Dinge in aller Wirklichkeit zu verändern. Im Gegenteil! Das Aufrechterhalten der immer gleichen Betroffenheitsprozesse, der immer gleichen Sensationsgeilheit gewinnorientierter Medien und die Manifestierung bürgerlicher Ängste, lässt erst eine Art diktatorische Rechtfertigung entstehen. Rechtfertigung für noch mehr Macht und Kontrolle von Politikern und Polizei. All das zusammen ist eine sichere Garantie für die vollständige Vernichtung von Liebe und Mitgefühl.  

Anstatt das Leiden mit allen Mitteln aufzulösen, lassen wir neues entstehen, welches wieder weiteres Leiden erzeugt. Das kann nicht funktionieren und wird nur die Ursachen vergrößern von Trauer, Angst und Verzweiflung. Beste Voraussetzungen also für Wut, Hass und Rache. Keine gute Ausgangslage dem innersten aller unserer Wünsche zu entsprechen, Sicherheit zu schaffen. Sicherheit für Friede, Freiheit und die Möglichkeiten wahrzunehmen, das Leben in all seinen Facetten zu genießen.

Jetzt ist die „Weltstadt mit Herz“ tief in jenes getroffen, was sich zuvor in seiner Alltäglichkeit mehr für die Einnahmen von Besuchern und Touristen zu öffnen verstand als für seine Bürger. München gehört zu einer der wohlhabendsten Regionen in Europa. Unsere Mieten sind keine Errungenschaft auf die man stolz sein sollte, sondern das Ergebnis knallharter Habgier. München und seine Umgebung ist teuer, protzig und das deutsche Mekka für stinkreiche Angeber aller Art. Wer es sich leisten kann – und da gibt es einige – will sich zeigen, sehen lassen und bewundert werden. Das vielzitierte „Herz“ ist oft nur dort zu finden, wo die „guten“ Gewinne erwartet werden.  Münchner „Herzlichkeit“ hat seinen Platz in den Promi-Boxen auf dem Oktoberfest, in den feinen Fresstempeln der Innenstadt und in den geschmeidig schmierigen Kreisen geldhöriger Macht.

Geltungssucht, Egomanie und Habgier herrschen wie ein leiser Dämon zwischen all der „bayerischen Gemütlichkeit“. Von der Innenstadt bis zum Hasenbergel kann sich München sehen lassen in der Welt. Wo sich sonst Ghettos bilden ist man selbst in München wichtig. In den wenigen Vierteln, wo sich die Menschen das nicht leisten können wird dann anderweitig für Aufsehen gesorgt. „Ein bissl was geht allerweil“ und gerade in München ist der Grundzustand von Stolz und Angeberei nicht nur dominiert von den Erfolgen eines FC-Bayern.

Das macht natürlich was mit den Menschen, ganz gleich welcher Schicht und Klasse sie entstammen. Wer sich in seiner Gemeinschaft nicht darzustellen weiß, muss sich eine Art von „leiser Verachtung“ gefallen lassen. Wer das Spiel der Egomanie in München nicht beherrscht „kommt da net nei!“ – Dieser enorme gesellschaftliche Druck macht eine Menge Stress, der ungefragt ignoriert wird. Es wird hingenommen wie das Fließen der Isar. Keiner will wahrhaben, das in kaum einer anderen europäischen „Metropole“ die Folgen eines übertriebenen und völlig sinnlosen Wohlstands, getrieben aus Habgier, die Kernursache bilden für alle Varianten von Melancholie, Depression und Einsamkeit.


Dieser „Grundzustand“ hat bis heute dazu geführt, dass sich viele Kreative und eine Menge Künstler zu meinem tiefen Bedauern Richtung Berlin verabschiedet haben. Wo sind also die Menschen die da die Subkulturen bilden, die Partys veranstalten und so viel kreative Energie investieren, Inseln der Freiheit zu schaffen, wo sich jede Form der Einsamkeit auflöst wie ein Wolkengebilde im Wind?

Dass was am 22.Juli im OEZ passiert ist, hätte verhindert werden können. Es ist die bis dahin „ehrlichste“ aller Ausführungen, die herrschende Energie ins fatale Gegenteil zu führen. Dieses im Geiste erkrankte Individuum hat die „Wichtigkeit“ erzwungen unter der er so gelitten hat. Das ist in keiner Weise eine Rechtfertigung Wert, dieser menschenverachtenden Tat eine Entschuldigung abzugewinnen. Sie ist aber passiert und sie hat eine Menge unnötiger Leiden erzeugt, die jetzt, anstatt sie zu heilen, weitere Leiden erzeugen wird. Und es wird noch eine Menge Einsamer, verstörter Menschen geben hinter den Fassaden der „bayerischen Gemütlichkeit“ die Still und Leise leiden und nur ein Ziel kennen: Rache!

Es macht keinen Sinn zu bedauern, es macht nur Sinn zu verstehen. Richtig zu verstehen im Sinne des Lebens, im Sinne der Tatsache, Leiden zu beenden. München und seine Menschen haben keine Schuld, wir haben nur verlernt Mensch zu sein. Wir tun uns keinen Gefallen, wenn wir nach der „mechanischen Ursache“ fahnden und einen Polizeistaat entwickeln. Wir festigen nur unsere Egomanie und Geltungssucht, also die Eigenschaften eines unverrückbaren Wohlstandsgedanken, der einzig und allein die perfiden Ursachen bilden für alle Arten von „bösen“ Menschen.

Damit da keine plumpen Sichtweisen entstehen: ich liebe mein München und ich liebe die Menschen in München, auch und gerade deshalb, weil ich tiefes Mitgefühl empfinde mit denen, die sich täglich einer Menge Leiden aussetzen. Leiden, um ihre „Wichtigkeit“ und „Einzigartigkeit“ zu festigen, die nur einen Sinn hat: Druck und Stress. Ich werde einen Teufel tun und weg ziehen, sondern es ist im Sinne einer jeden „Menschnatur“ dort zu wirken wo man schon immer gelebt hat und jeden Versuch zu unternehmen, Leiden zu ermitteln und zu beenden.

Wenn wir ernsthaft lernen uns mit den natürlichen Eigenschaften von Liebe und Mitgefühl in aller Wahrhaftigkeit auseinanderzusetzen, können wir unser Herz mit so viel Großzügigkeit füllen, dass es keinem Flüchtling, Ausländer oder Andersdenkenden mehr gelingt, traurig und einsam zu sein. Der perfide Minimalismus einer Praxis, die Leute einfach mal in den Arm nehmen. Kein Mensch darf dem Mensch ein fremder sein! Ein jeder von uns empfindet und nimmt wahr. Es ist ein fataler Irrtum das zu ignorieren. Deine Wünsche und Dein Wollen mag individuell sein, Dein Sinn zu sein ist es nicht!

Es war, es ist und es wird immer so sein: kein Mensch, kein Lebewesen ist allein und wir werden niemals unser „Heil“ im Außen finden, so sehr wir uns bemühen, so sehr wir uns anstrengen. Werden wir Menschen der Zukunft, die begriffen haben, der Natur und seinem Universum zu vertrauen.

München, ich liebe Dich! :-)